Thema des Monats


Digital Leadership: Führung in der digitalen Transformation

Die digitale Transformation zieht mehr als flexible Arbeitszeiten und mobile Arbeitsplätze nach sich, sondern erfordert auch ein Umdenken bezüglich der Führung von Mitarbeitern. Dabei sind gerade klassische Werte von Bedeutung, deren Etablierung und/oder Bewahrung auch Aufgabe des Digital Leaders ist. Dessen Art der Führung wird mittlerweile als unerlässlich angesehen, um sich am Arbeitsmarkt der Zukunft zu behaupten. Digital Leadership ist deshalb mehr als ein Stil, der Technologie in den Mittelpunkt stellt, sondern avanciert zur Kulturfrage.

Schließlich reicht es nicht aus, mobile Arbeitsplätze zu bieten, um der digitalen Transformation und den großen amerikanischen und chinesischen Playern am Markt auf Augenhöhe zu begegnen. Überholt sind Silo-Denken und Besitzstandswahrung, an ihre Stelle treten Kreativität und Kollaboration. Führungskräfte in Zeiten von VUKA und New Work sollten sich und ihre Rolle überdenken und neu definieren: Hier braucht es den Digital Leader, der flexibel und offen, mit einer Affinität für smarte Tools, aber gleichzeitig als Bewahrer klassischer Werte agiert. Was also bedeutet Digital Leadership?

Vertrauen und Transparenz

Aufgabe des Digital Leaders ist es, den digitalen Transformationsprozess zu begleiten und zu managen, den Wandel also aktiv mitzugestalten. Dementsprechend sollte diese Führungskraft neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen sein. Sie ist ein Vorreiter im Unternehmen und soll ein Bewusstsein für die Digitalisierung schaffen, dabei auch eine notwendige geistige Flexibilität zeigen; Fach- und Branchenkenntnisse sind natürlich ebenfalls unerlässlich.

Darüber hinaus sind vor allem Soft Skills gefragt, die sich an klassischen Werten und Tugenden wie Vertrauen oder der Fähigkeit, zuzuhören, orientieren; ebenso wichtig sind Teambuilding-Kompetenzen und der richtige Umgang mit Diversity: Der Digital Leader hat ein heterogenes Experten-Team unter sich, das vielleicht sogar an verschiedenen Orten oder in unterschiedlichen Zeitzonen sitzt, während Routineaufgaben nur noch Aufgabe von Computern sind. Autoritäres Führen ist aufgrund der Expertise der einzelnen Teammitglieder, die auch über die des Digital Leaders hinausgehen, kaum mehr möglich und auch nicht erwünscht, schließlich sollen die Mitarbeiter Freiheiten haben und diese aus eigenem Ansporn heraus zum Wohle des Unternehmens einsetzen.

Die Führung des Digital Leaders ist dementsprechend partizipierend und geht auf die individuellen Ansprüche des Teams ein; er coacht, motiviert und moderiert mit Empathie und Verantwortungsbewusstsein, um die Mitarbeiter zu verbinden und auf eine gemeinsame (oder gemeinsam erarbeitete) Vision einzuschwören. Die Führungskraft steuert Prozesse, nicht Aufgaben, weshalb eine ausgeprägte Transparenz bezüglich der Informationen sowie ein kollektiver Wissensschatz von großer Bedeutung sind. Dementsprechend ist es eine weitere Aufgabe des Digital Leaders, eine Kultur des Vertrauens zu etablieren sowie die Entscheidungsfähigkeit der Mitarbeiter zu stärken. Diese sind dementsprechend dazu angehalten, sich selbst mit den allen zugänglichen Informationen zu versorgen. Ebenso erwünscht ist Feedback in alle Richtungen sowie ein kontinuierlicher Austausch zwischen dem Digital Leader und den Teammitgliedern – Fehler ziehen keine negativen Konsequenzen nach sich, sondern regen dazu an, daraus zu lernen und neue Lösungen zu finden. Ohne die passenden Rahmenbedingungen, das heißt Kompetenzen, sowie Strategien und Ziele kommt aber auch der Digital Leader nicht aus.

Am Anfang steht das Mindset

Grundsätzlich kann „jeder“ Digital Leader werden, nicht nur der CEO oder der CTO. Dabei müssen aber gerade etablierte Führungskräfte sich bewusst von hierarchischem Denken verabschieden und Kontrolle abgeben. Der Digital Leader muss nicht nur die Geduld aufbringen, sich mit dem Wandel im Unternehmen auseinanderzusetzen, sondern sollte auch im Stande sein, die eigene Rolle immer wieder zu überdenken und sich selbst neu zu erfinden.

Führung wird im digitalen Zeitalter anspruchsvoller – dass Unternehmen, die die Position eines Chief Digital Officers (CDO) einführen, den Wandel am erfolgreichsten meistern, zeigt die Praxis. Denn die Transformation gelingt dann, wenn sie ganzheitlich gedacht und ausgeführt wird. Mehreren Studien zufolge ist die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit, nicht nur in Deutschland, aber immer noch groß. Ein Großteil der Führungskräfte schätzt die Bedeutung der Digitalisierung mittlerweile zwar als hoch ein und ist sich der Wichtigkeit der erforderlichen Führungsmethoden und -kompetenzen bewusst, jedoch mangelt es bisher an der Umsetzung.

Liegt jedoch ein radikal verändertes Mindset zugrunde, findet die Transformation auch auf kognitiver Ebene statt – und verspricht dauerhaften Erfolg.


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